whisper

Luina liest: Perry Rhodan, Kapitel 7 - Stopft dem mal einer das Maul?

Der Sommer hat sich verabschiedet, weiter geht’s also.
Fliegender Perspektivenwechsel und Zeitsprung zur Erde, wo unsere Helden in die Erdatmosphäre eintreten. Alle freuen sich, aber fragen sich, was auf dem Mond passiert ist. Worüber Rhodan sich ausschweigt. Böser Junge.

Pounder ärgert sich über Mercant, der sich selbst eingeladen hat... ähm... das war doch der Geheimdienstheini mit dem sechsten Sinn, oder? *blättert zurück* Jup. Er hat Militär im Schlepptau, das alles abgeriegelt hat. Die Journalisten bekommen also eine Riesenstory frei Haus geliefert, wie nett von ihm. Außer, sie wurden inzwischen rausgeworfen. Womit sie auch eine tolle Story bekommen. Ich vermute aber, der Autor hat inzwischen vergessen, dass die Presse anwesend war, weswegen wir es nicht erfahren werden.
Pounder regt sich auf, dass Mercant „nicht eine ganze Division mit zehntausend Mann aufzubieten“ gebraucht hätte. Das... erscheint mir auch etwas übertrieben. Und so unauffällig vor allem.
Geheimdienst, remember? Eigentlich wollte Pounder seine Astronauten warnen, das ging aber nicht und Mercant merkt an, dass das Landemanöver nicht so abläuft wie es sollte.
Das merkt der Typ von außerhalb und nicht die Verantwortlichen selbst weil...? Ach ja, weil Plot. Passend bemerkt auch das Fernsteuer-Robotgehirn. Sorry, aber ich komme über diese Wortwahl nicht hinweg. XD Ich muss einfach immer wieder drauf rumreiten. Der Computer hat Nachhilfe auf der Enterprise oder der Voyager genommen und sprechen gelernt, während der von der Stardust nur Tonbandaufnahmen abspulen konnte. Wir erfahren, dass der Pilot die Steuerung übernimmt.
Natürlich will Pounder nachhaken, aber Rhodan antwortet nicht. Böse.
Ich bin mir nicht sicher, aber ist es bei der Landung nicht immer so eine Sache mit der Kommunikation? Immerhin... ach, vergesst es. Wir reden hier von Rhodan.
Mercant wittert direkt Verrat und will, dass man die Jungs abschießt, wenn sie nicht den Kurs ändern. Sympathisch. Passend dazu fängt Rhodan an, ein stinknormales Notsignal zu senden. Wieso er nicht einfach die Bodenstation anfunkt? Keinen Plan. Mercant löst nen kontinentalen Alarm aus, was auch immer das bedeuten soll.
Bla, Rhodan nimmt Kurs auf Sibirien. Hoffentlich hat er warme Klamotten eingepackt.
Im Hauptquartier des östlichen Oberbefehlshabers wurde im allerletzten Augenblick der bereits erteilte Feuerbefehl rückgängig gemacht. Man hatte erkannt, dass es sich um die STARDUST handelte. Eine Hand zog sich vom Schalter zurück. Den Rest des Körpers hatte sie dabei vergessen. Siebentausend atomare Fernkampfraketen blieben in ihren Abschußbunkern.

Bitte was? Siebentausend? Etwas übertrieben für ein einzelnes Schiff, oder? Und wieso wird die Stardust nicht abgeschossen? Fragen über Fragen...
Es war die Situation für einen Krieg aus „Mißverständnis“ gewesen. Also die ganz eigene Version der Kuba-Krise. Na von mir aus.
Man berechnet, dass Rhodan und die restlichen Pfeifen in der Wüste Gobi landen wollen. Rhodan läuft zu den Kommunisten über? o_O Hä? Die Russen jedenfalls sind, anders als früher impliziert, nicht ganz aus dem Spiel, denn Marschall Petronskij hätte das Schiff ohne besondere Schwierigkeiten abschießen können. Er, der klar denkende Rechner, verzichtete darauf. Okay, vermutlich ist das Schiff in einem Stück auch mehr wert. Akzeptiert.
Er gibt dem 22. Sibirischen Armeekorps […] detaillierte Anweisungen. Wieso denn das zum Geier? o___O Sibirien ist Russland. Nordrussland, um genau zu sein. Die Wüste Gobi ist da ziemlich weit entfernt! Selbst wenn sie Russland oder die UdSSR da abgeschafft haben, an den Entfernungen ändert das nichts! Nebenbei werden auch mongolische Truppen benachrichtigt, was deutlich mehr Sinn ergibt als Sibirien. Uns wird weisgemacht, dass er damit alles getan habe, um die amerikanische Mondrakete abzufangen. Vorausgesetzt, sie kam noch innerhalb der Mongolei auf den Boden. Außer, sie abzuschießen, natürlich. Wir erfahren noch, dass es doof wäre, käme sie jenseits der Grenze runter, weil China offenbar nicht dazugehört. Oder so. Keine Ahnung, das politische System da erklärt uns ja keiner.
Blabla, Petronskij bekommt Sondervollmachten, nur hatte er nicht mit Major Perry Rhodan gerechnet. Was dem Leser erfolgreich jede Spannung versaut, wäre denn mal welche aufgekommen. Die Stimmung wird weiter durch technischen Nonsens zerstört bis Rhodan die Stardust knapp südlich der mongolischen Grenze landet. Von welcher Grenze? Der nach Russland oder der nach China? So ein Staat hat rundherum Grenzen. Für die Detailverliebten bekommen wir Koordinaten (102 Grad östlicher Länge, 38 Grad nördlicher Breite), die ich mal eben überprüfe.
Okay, er ist in China gelandet. Keine Ahnung, welchen Stellenwert China da hat... hatte... whatever. Jedenfalls: Vor der Nase der Russen. Grandiose Idee. Echt. Irgendwo in Afrika ging wohl nicht, oder was? Aber nein, dann wäre folgendes Dosendrama nicht möglich: Denn natürlich dreht eins der Crewmitglieder durch und wirft Rhodan vor, ein Verräter zu sein. Was in Anbetracht seines Landeplatzes nicht ganz weit hergeholt ist. Und wer ist es? Natürlich der, der sich schon die ganze Zeit über als Nervenbündel gezeigt hat: Es war Flipper, der seit der Kursabweichung getobt hatte. Natüüüürlich! Rhodan der Fuchs hat die Anschnallautomatik blockiert, so das Flipper auf seinem Sitz festsitzt. Hält den aber nicht davon ab, mit verzweifelter Anstrengung den hinter ihm eingebauten Waffenschrank zu erreichen zu versuchen.
Was ich jetzt übersprungen habe war ein Technikfail, den ich nicht ganz begreife. Da das hier eh schon zum Gähnen ist, springe ich mal kurz dahin zurück. Rhodan landete die STARDUST nach Flugzeugart. Okay. Konnten die Space Shuttles ja auch. Aber zumindest nach den Bildern, die es im Internet so von dem Schiff geht und da es häufig als „Rakete“ bezeichnet wurde, frage ich mich, wo das Ding die Tragflächen versteckt hat. Ohne wird’s nämlich verdammt schwer mit einer kontrollierten Landung. Just saying.
Zurück zu den spannenden Ereignissen an Bord des technischen Wunderwerks. „Laß es sein, Flipp“, mahnte Rhodan, „Wir sind wieder zu Hause. Ich würde an deiner Stelle nicht noch mehr riskieren.“
Ich mag mich irren, aber dafür ist der gute Rhodan aber falsch abgebogen. Es handelt sich bei den Jungs nämlich vermutlich um Amis. Vielleicht ist auch ein Europäer dabei. Und China ist da ein... gutes Stück entfernt. Von „zu Hause“ kann hier also keine Rede sein. Flipp teilt meine Meinung, wird dabei aber nur hysterisch.
„Zu Hause?“, wiederholte er schrill. „Hast du zu Hause gesagt?“
Er lachte gellend auf. Zorn verzerrte sein Gesicht.
„Du schmutziger Verräter hast das Schiff mitten in Asien gelandet. Du mußt es länger geplant haben, sonst hättest du nicht so zielstrebig diese einsame Gegend angeflogen. Ganz genau hattest du den Kurs festgelegt. So sieht das also aus! Du willst die STARDUST an die Chinesen ausliefern. Wie lange existiert der saubere Plan schon? Was bekommt der Starpilot der US-Space-Force für die erledigte Arbeit? Ich...“

Rhodan wird blass, ob aus Wut oder aus anderen Gründen ist nicht ersichtlich. „Flipp, du kannst jederzeit gehen wir sind hier nur in einer der trockensten Gegenden der Welt, möglich also, dass du unterwegs verreckst niemand wird dich hindern dich selbst umzubringen. Du wirst dein Baby sehen, und Eric wird seinen Kindern allerlei zu erzählen haben. Sagt aber niemals, daß ihr mich für einen Verräter haltet. Egal wie naheliegend es gerade ist.“
Fassen wir mal zusammen: Die sind mitten im Kalten Krieg und bei den Kommunisten gelandet. Mit Absicht, was auch den Amis klar sein dürfte. Und Rhodan erwartet ernsthaft, dass sie einfach wieder nach Hause marschieren können? o__O Die sollten froh sein, dass Guantanamo da noch nicht aufgemacht hat!
Bully ist die Ruhe selbst und fragt nach dem Grund. Rhodan will, dass die Jungs ihm zuhören, Flipper hat da aber keinen Bock drauf. „Du hast uns betrogen. Du hast uns gezwungen, bei dem Spiel mitzumachen.“ Nope, hat er nicht. Er hat euch etwas vorgemacht ja. Aber von Zwang kann keine Rede sein, er hat euch schließlich keine Waffe unter die Nase gehalten und gezwungen, den Kurs zu ändern. Da ihr alle nur nutzlose Randfiguren seid, konnte euer toller Chef das Schiff nämlich selbst landen.
Bevor aber der Leser auch glauben kann, dass der unfehlbare Perry Rhodan ein Verräter ist, erwacht Crest aus der Nebencharakterstarre und lächelt. Er kannte Rhodans Vorhaben. Auch Thora war informiert. Und da die Aliens Bescheid wissen, ist das alles vollkommen okay. Rhodan überschwemmt uns mit einer langweiligen und unnötigen Rede, die ich euch mal gekürzt hier wiedergebe. „Ihr solltet allmählich begreifen, daß die STARDUST zu einem gänzlich unwichtigem Objekt geworden ist. […] Auf dem Mond gibt es ein Schiff, und in diesem Schiff sind es die Fremden, die von heute an wichtig sind. In ihrer Macht liegt die Verhinderung eines Atomkriegs. Die STARDUST spielt eine völlig untergeordnete Rolle, obwohl man in Moskau, Peking und auch in Washington zur Zeit noch glaubt, sie wäre das Nonplusultra. Die Ansicht resultiert ganz einfach aus einer Fehleinschätzung der Situation. […] Nur Crest zählt noch, denn er ist der Repräsentant einer unendlich überlegenen Wissenschaft. […] Ihr seht wohl ein, daß es hier nicht mehr um die STARDUST geht.Es geht um Crest, um die fremden Intelligenzen und um die Einheit unserer Menschheit. […] Die ewig Irregeführten werden erwachen, und die, die guten Willens sind, werden erlöst aufatmen. Es wäre der größte Fehler aller Zeiten gewesen, Crest an eine bestimmte Nation auszuliefern.“

Hier holt Rhodan mal Luft. Bis dahin wurde fast eine Seite verschwendet und ich frage mich Erstens: Wie lange er für diese Rede geprobt und und außerdem... gerade der vorletzte Satz lässt mich als Religionswissenschaftlerin stutzen. Crest wird hier weniger als ein wissenschaftlich überlegener Außerirdischer präsentiert sondern eher als eine Heilsfigur, die die Gläubigen erlösen wird, wenn sie von ihrem Irrglauben loskommen. Zusammen mit der drohenden Apokalypse durch den Atomkrieg wird er beinahe zu einer Art Messias hochstilisiert. Und das finde ich in diesem Kontext ziemlich daneben.
Eine weitere Seite lang philosophiert Rhodan darüber, dass er nicht will, dass Crest irgendwelchen Machthabern in die Hände gerät, die ihn nur ausnutzen. Er soll frei handeln und sein Wissen teilen können.
Und dann landet er in China. Nahe der Grenze zur Mongolei, die ja offenbar den Russen gehört. Aha. Wenn er gewollt hätte, dass sie wirklich Ruhe vor den Großmächten haben, hätte er in der Antarktis landen sollen. Denn da lebt wirklich niemand, außer vielleicht ein paar Wissenschaftler.
Übrigens: Erinnert ihr euch an Kapitel vier, wo Rhodan wollte, dass er und Bully sich rasieren, weil Asiaten weniger starken Bartwuchs haben? Ich bin da davon ausgegangen, dass es sich bei dem Gegenspieler um China handelt. Das stimmte ja offenbar nicht und entweder hat der Autor vergessen, was er selbst da impliziert hat oder er wusste einfach nicht, dass es in Russland durchaus viele Weiße gibt, die Bartwuchs haben.

Ich sollte einfach weniger nachdenken. -_-
Weiter im Text. Crest soll irgendwelche Spezialgeräte montieren können, bevor irgendwelche Truppen aufmarschieren können. Wie gesagt: Antarktis. Da hättet ihr eure Ruhe. Afrika ginge sicher auch.
Red Bull bietet seine Hilfe an und fügt hinzu, dass es in spätestens einer Stunde knallen wird. Dann sind sie ja offenbar doch nicht so abgelegen gelandet... Aber gut, Kampfjets werden nicht lange brauchen.
Rhodan stört sich aber nicht daran. „Sollen Sie knallen.“ Nein, ich habe mich hier nicht verschrieben. Er redet mit Red Bull, also soll der offenbar knallen. Naja, er ballert ja offenbar gerne in der Gegend rum. „Hier, an dieser Stelle, wird einmal eine Riesenstadt entstehen. Hier werden einmal überlichtschnelle Raumschiffe gebaut werden, und hier wird es ein, wo das Samenkorn für eine tatsächlich geeinte Menschheit gelegt wird.“ Also vollkommen egal, wenn die vorher weggebombt werden. *facepalm*
„Wie hast du dich entschlossen, Bully?“ Denn er hört anscheinend niemandem außer sich selbst zu, sonst wüsste er nämlich, dass Red Bull ihm schon Hilfe zugesichert hat.
Was aber sagt Red Bull? „Ich kenne die Menschen. Sie meinen es ja nicht besonders böse, aber sie sehen doch gern auf ihren Vorteil. Ich halte es für besser, wenn Crest ungebunden bleibt. Mehr habe ich nicht zu sagen.“ Ja, die Menschen sind im Grunde egoistisch, dem stimme ich prinzipiell zu. Und was Red Bull dankenswerterweise in wenigen Sätzen gesagt hat ist auch genau das. Er sieht mehr Vorteile darin, dass Crest frei bleibt. Ebenso wie Rhodan. Aber wenigstens brauchte Red Bull dafür keine zwei Seiten.
Die Magnolie meint: „Dein Vorhaben entbehrt nicht einer logischen Begründung. Wenn Crest dafür garantiert, daß er sein Wissen zum Nutzen der gesamten Menschheit verwendet, dann habe ich keine Einwände. Ein Verbrechen wäre es allerdings, wenn er eine bestimmte Macht bevorzugte.“ Auch hier: eigener Vorteil. Aber immerhin benutzen sie Crest nicht, um die Amis zu pushen.
Crest versichert, dass sein Absichten nur die besten sind und Rhodan auf seinen Wunsch hin an diesem Punkt gelandet ist.
Damit sind ja alle beruhigt... Moment, nein. Es fehlt ja noch der hysterische Delphin. „Wie wollen Sie sich schützen?“, schrie Flipper außer sich. „Ich halte das für einen faulen Trick, ich...“
„Flipp, wenn wir in Nevada Fields gelandet wären, säßen wir jetzt schon Schutzhaft.Es wäre unseren Militärs keine andere Wahl geblieben, denn wir hätten ja unsere Erlebnisse ausplaudern können. Wir handeln mit einer guten und – wie ich denke – sauberen Begründung.“
Wer das sagt, wird uns unterschlagen, aber ich wette, es war Rhodan. Auch wenn der Textfluss eher impliziert, dass es Crest sein müsste.
Flipper tut seine Loyalität zur Space-Force kund und Rhodan (also vermutlich) hält eine neue Predigt darüber, dass Nationen nicht wichtig sind und nur die Menschheit zählt. Ehrlich, wäre ich Flipper, würde ich nachgeben, einfach damit Rhodan endlich seine Klappe hält.
Red Bull wirft ein, dass Rhodan ruhig schon auf dem Mond hätte die Wahrheit sagen können und dass Crest sich jetzt an die Arbeit machen sollte. „Mit schönen Worten über die wünschenswerte Einheit der Menschheit und über unsere kommende Bedeutung als galaktische Zivilisation können Sie keine einzige Kugel abhalten. Die Machthaber der AF (Asiatische Föderation) würden Tränen lachen und Sie in die Verhörräume stecken.“ Danke. Ich hätte es nicht besser ausdrücken können.
Die Magnolie will warten, bis die nötigen Medikamente da sind. Ich denke, da kann er lange warten... Wer soll die bitte liefern? Oder haben sie schon eine Bestellung an eine nahe liegende Apotheke gesendet? Da seid ihr etwas in der falschen Gegend gelandet. Und es sich mit den Machthabern zu verscherzen ist auch nicht die beste Verhandlungsposition.
Rhodan hält Flipper noch eine Moralpredigt und steigt aus. Das nun folgende grottige Vorshadowing präsentiere ich euch ungekürzt: Rhodan schloß die Augen; vor ihm zeichnete sich etwas ab. Es war ein noch fernes, nebelhaftes Bild; aber er sah von Menschen erbaute Raumschiffe in den Himmel rasen, und er hörte das Dröhnen ihrer überlichtschnellen Triebwerke. Er sah eine irdische Zentralregierung, und er erblickte Frieden, Wohlstand und galaktische Anerkennung.Es war eine Vision, doch er nahm sie mit vollen Sinnen in sich auf. Und das alles dank dieses Stues. -_-
Im Laderraum der Stardust begann eine rätselhafte Maschine zu summen. Die dritte Macht nahm die Arbeit auf. Perry Rhodan blickte zum blauen Himmel empor. Langsam löste er die Rangabzeichen vom Schulterstück seiner Kombination.
Major Perry Rhodan hatte seinen Abschied genommen.

Und hiermit verabschiede ich mich bis zum nächsten Kapitel.
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