whisper

Luina liest: Perry Rhodan, 2. Kapitel

Willkommen zurück zu meinem kleinen Leseblog. Ich muss zugeben, dass ich dieses Mal etwas gemogelt und das Kapitel bei wunderschönstem Wetter schon draußen gelesen habe. Mir fehlt es im Moment einfach an guter Lektüre. Zwar lese ich parallel hierzu „Die Magier von Montparnasse“, was ganz nett ist, aber unglaublich konfus mit zigtausend Sichtweisen. Entsprechend schlecht ist meine Motivation, da weiterzulesen...
Aber steigen wir jetzt in das zweite Kapitel von Perry Rhodan ein, das sich mit dem Flug zum Mond befasst.


Fernsteuerungen und Störsignale

Wir erfahren direkt am Anfang, dass die Astronauten, im Buch immer noch nett als Risikopiloten bezeichnet, keine Helme tragen, als sie starten. Die sorgten dort immer wieder für kleinere Verletzungen und [d]er bedauerlichste Fall in der Geschichte der bemannten Raumfahrt hatte sich beim Bau eines Satelliten ereignet. Ein nicht genau sitzender Druckhelm hatte bei einer Startbeschleunigung von 11,3 Gravos einen Genickbruch verursacht.
Sie hätten die NASA behalten sollen, die verstehen ihren Job wenigstens. Wenn durch die Helme Genickbrüche verursacht werden, hat da eindeutig jemand ziemlich geschlampt. Rhodan jedenfalls hält nichts von Raumanzügen beim Start. Ist ja nicht so, als hätten eine keine lebenswichtige Funktion oder so. Die Techniker sehen das genauso, aber Rhodan hatte jedoch gute Erfahrungen gesammelt. Seine Kabinen waren niemals von Meteoren getroffen oder durch mechanische Startkräfte eingerissen worden.
Okay, wir wissen durch zwei furchtbare Unfälle, dass es einen auch kein Raumanzug rettet, wenn beim Start was schiefgeht. Aber nur weil jemandem (hier Rhodan) nie etwas passiert ist, macht das die Sicherheitsmaßnahmen doch nicht sinnlos. o_O Ich trage auch einen Fahrradhelm, auch wenn ich noch nie einen schweren Unfall hatte, der ihn nötig macht. Oder einen Sicherheitsgurt beim Autofahren.
Vielleicht bin ich voreingenommen, nein, ganz sicher sogar. Aber ich mag Rhodan nicht. Schon die Tatsache, dass eine ewig lange Buchreihe nach ihm benannt wurde, sorgt dafür. Vielleicht belehrt mich dieses Buch eines Besseren... dieser Leichtsinn aber schafft es nicht. Dass die Raumanzüge in greifbarer Nähe sind, rettet die Sache auch nicht mehr. So schnell können die da nicht reinsteigen, dass es sie im Notfall rettet.
Ich habe mich im letzten Teil darüber aufgeregt, dass die Astronauten keine Zeit für die letzten Checks in der Kabine haben. Hier erfahren wir jetzt, dass sie das machen, nachdem sie zehn Minuten vor dem Start endlich einsteigen durften. Nennt mich pessimistisch, aber ich glaube einfach nicht, dass das so schnell geht. Aber gut. Das Buch ist von Anfang der 60er, man kann eine gewisse Naivität wohl verzeihen. Fakt ist aber, dass jeder Flugzeugpilot sehr viel länger braucht, weil es einfach verdammt wichtig ist, sich selbst davon zu überzeugen, dass alles funktioniert.
Wir erfahren neue technische Details und wie das Schiff aufgebaut ist. Das allerdings ist im Ganzen recht plausibel gemacht. Alles klein und beengt. Daher halte ich hier mal mein Lästermaul. Zwei Seiten lang startet das Schiff, was mäßig interessant ist, aber zumindest in meinen Laienaugen sinnvoll.
Anschließend erklärt Pounder, dass der Start problemlos gelaufen ist. Wem, keine Ahnung. Vermutlich den Journalisten, diese Information wird dem Leser aber vorenthalten und muss aus Pounders Worten herausgelesen werden. Stilistisch... nicht gelungen. Fliegende Perspektivenwechsel sehe ich immer eher als Unfähigkeit des Autors an. Meistens zu Recht. Aber vielleicht ist das hier auch der Übersetzung geschuldet, es hat seine Gründe, dass Bücher im Original meist besser sind.
Jedenfalls lernen wir noch, dass es wirklich eine Raumstation gibt, was ich vorher nur mitmaßen konnte. Außerdem folgendes: Ich mache sie nochmals darauf aufmerksam, dass Sie das Gelände der Nevada-Fields erst dann verlassen dürfen, wenn die STARDUST wohlbehalten auf dem Mond gelandet ist. Wir planen diesmal eine Überraschung.
Na da bin ich mal gespannt. Hier muss ich aber wieder Skepsis anbringen. Meinen Recherchen zufolge hat Apollo 11 circa 3 Tage gebraucht, bis sie in einen Orbit um den Mond eingeschwenkt ist. Ich hoffe, die Journalisten werden gut untergebracht. Und haben sonst nichts zu tun. Außer, der Flug selbst wird wahnsinnig spannend... was er nicht wird, ich nehme wohl nicht zu viel vorweg, wenn ich sage, dass sie bei weitem keine 3 Tage brauchen. Wie lange genau, erfahren wir nicht, aber dazu später mehr. Meine Recherchen haben ergeben, dass beispielsweise die Pluto-Sonde New Horizon nur neun Stunden gebraucht hat, aber da war die Gesamtheit sehr viel leichter und sie konnte außerdem am Mond vorbeifliegen, sprich: sie konnte in einem hohen Tempo bleiben, während jemand, der auf den Mond will, vorher abbremsen muss, um in den Orbit zu kommen. Auch dafür braucht man noch Treibstoff, der wieder mehr Gewicht bedeutet.
Okay, genug Klugscheißerei, zurück zum Kapitel.
Nebenbei frage ich mich noch, warum die Leute nicht heimfahren dürfen. Oder wenigstens in die nächste nennenswerte Stadt in ein Hotel oder so. Aber gut.
Die erste Stufe der Rakete ist ausgebrannt, Rhodan meldet, dass alles in Ordnung ist und jetzt kommt das vielgerühmte Atomtriebwerk an die Reihe. Selbst Rhodan ist darüber nervös und die neue Beschleunigung, die sie wohl aus der Anziehung der Erde bringen soll, setzt den Jungs ziemlich zu. Dann gibt’s ne winzige Pause und weiter geht’s bis das Triebwerk sich ablöst. Die Abtrennung erfolgte wieder so jäh, daß die eintretende Schwerelosigkeit wie ein Hammerschlag wirkte. Okay. Ich war noch nie im Weltall. Will ich auch gar nicht hin. Aber es ist jetzt nicht so, als würden die eine Vollbremsung hinlegen. Wenn sie schon so weit sind, dass sie schwerelos sind, dann sollten sie in derselben Geschwindigkeit weiter unterwegs sein, weil es kaum noch was gibt, was sie bremsen kann. Außer, sie steuern aus irgendeinem Grund plötzlich dagegen. Vor allem, wenn sie wirklich die Kreisbahn der Raumstation überflogen haben, die sich im freien Fall 3.250 km über der Erdoberfläche befand.
Die ISS kreist in einer Höhe von circa 400 km.

Okay, an dieser Stelle sollte ich wohl kurz unterbrechen. Ich merke immer mehr, dass ich diesem Buch wohl auch weiterhin eher... sarkastisch gegenüberstehe. Fans der Reihe, sollten also damit leben können, dass es in dem Stil weitergeht. Ich habe einfach die Perspektive eines Menschen des 21. Jahrhunderts und damit hat ein Buch, das vor über 50 Jahren erschienen ist, keine Chance. Es geht einfach nicht, weil ich einen ganz anderen Wissensstand habe und von dem aus gesehen ist vieles einfach totaler Bullshit. Das ist ärgerlich, auch für mich, aber hier geht es um meine höchst subjektive Sichtweise. Der Autor oder die Autoren konnten es natürlich nicht besser wissen. Aber ich tue es. Und wenn ich es nicht weiß, halte ich meine Klappe, ich bin Kulturwissenschaftlerin mit einem Faible für Raumfahrt, aber eben keine Expertin. Und irgendwie hat diese Naivität in dem Buch auch ihren Charme. *g*
Genug der Rechtfertigung. Ihr seid gewarnt, wer jetzt noch weiterliest, ist selbst Schuld. ^.~

Wir sind weiter an Bord der Stardust, wo Flipper es geschafft hat, sich auf die Zunge zu beißen. Durch Rhodan erfahren wir, dass sie auf 25,4 Gravos gebracht worden sind, und sie damit durch die gefährlichen Strahlungsgürtel gerast sind. Welche Strahlungsgürtel? Keinen blassen Schimmer.
Flipper jedenfalls ist blass und verflucht sich selbst für seine Dummheit, die Zunge nicht dagelassen zu haben, wo sie hingehört. Der Arzt, Dr. Manoli ist noch ausgeknipst und soll sich um Flippers Zunge kümmern, als er wieder wach ist. Immerhin hat Flipper sie sich nicht abgebissen und er veranschlagt zehn bis zwölf Minuten um sie zu flicken. Sollte genug Zeit sein, wir erinnern uns, die Apollo 11 hat 3 Tage gebraucht. Hier muss man dafür Kurskorrekturen berechnen. Keine Ahnung, wie realistisch das ist. Ich habe mich ein wenig in Raketenstarts reingelesen, aber meine Klugscheißerei spare ich mir wohl besser.
Manoli (Leute, es fällt mir echt schwer, keine dummen Spitznamen reinzubringen, aber dann würde es wirklich ein Verriss werden XD) flickt Flippers Zunge, denn [d]er Riss kann geklebt und mit Plasmakonzentrat rasch verheilt werden. Praktisch.
Die Computer rechnen in der Zwischenzeit fleißig und [e]ine großartige Planung wurde in wenigen Momenten umgeworfen und auf völlig neue Werte gebracht. Dann geht’s weiter und Flipper wird geraten, nächstes Mal den Daumen und nicht seine Zunge zwischen die Zähne zu stecken, weil der mehr aushält.
Aber dann fliegt mehr Blut rum... Moment. Logiklücke! Wenn sie schon schwerelos sind, hätte bei der Begutachtung von Flippers Verletzung einiges an Blut herumfliegen müssen. Aber gut, vielleicht wurde es nur nicht erwähnt. Viel Spaß mit der Sauerei hinterher.
Naja, jedenfalls geht’s jetzt weiter, uns erwarten neue technische Details und folgende Überlegungen von Rhodan: Noch mußte man den Umweg über ein Strahlmedium wählen, um zu dem unerlässlichen Schub zu kommen. Ob man eines Tages das reine Atomstrahltriebwerk besitzen würde? Einen gewaltigen Motor, dessen Grenzen nahe der Lichtgeschwindigkeit lagen?
Ich verstehe nicht, wie er sich das denkt. Man braucht nunmal irgendetwas, um es rausblasen zu können, damit der nötige Schub entsteht. So funktioniert ein derartiger Antrieb nunmal. Atomreaktoren produzieren nunmal nur Hitze (und das nicht zu knapp), da braucht es etwas, was man erhitzen kann. Heute verwendet man zwar laut meinen Recherchen bei Satelliten und Sonden sogenannte Ionentriebwerke, die eine nicht sehr starke aber stetige Beschleunigung bringen, aber auch die müssen mit irgendetwas arbeiten.
Reginald Bull schien sich mit ähnlichen Gedanken zu beschäftigen. Woher Rhodan das weiß? Wird uns nicht gesagt. Jemand (ich vermute Red Bull – sorry, kann es mir nicht verkneifen) fragt Flipper ob alles okay ist und informiert, dass es bald überstanden ist. Dem geht’s aber super, er freut sich, dass sie unterwegs sind, ein Gefühl, dass alle teilen.
Ja, sie waren unterwegs. Den Start hatten sie hinter sich. Was jetzt noch kam, war mehr eine Sache des Verstandes und der blitzschnellen Reaktion. Der grausame Andruck war das vorbei. Sie hatten die Erde hinter sich gelassen, jenen riesigen grünblauen Ball mit seinen Meeren, Kontinenten, aufgetürmten Wolkengebirgen und Milliarden von Menschen.[...] Diesmal sollten sie den Mond nicht umkreisen, sondern auf ihm landen. Das machte das Unternehmen so schwierig und gefährlich.

Im nächsten Absatz schwenken sie in eine Umlaufbahn um den Mond ein. Wie viel Zeit vergangen ist, wird uns vorenthalten, aber ich vermute mal, dass es ein kurzer Weg war. Die Überleitung liest sich jedenfalls so: Nachdem die harten Andruckintervalle der Bremsbeschleunigung vorüber waren und die STARDUST mit einer leicht aufzuhebenden Restfahrt von 3,5 km/sec auf die errechnete Mondkreisbahn eingeschwenkt war, hatte Rhodan den Befehl erteilt, die Raumanzüge anzulegen.
Fällt ihm ja früh an.Jedenfalls... Das klingt eher nach höchstens ein paar Stunden. Nun gut...
Die Fernsteuerkontrolle des großen Raumstationscomputers übernimmt das Ruder, während die Jungs die Raumanzüge anziehen.
Sie drehen ihre Runden um den Mond und nähern sich dem Landepunkt.
Obwohl die Funksignale inzwischen ein paar Sekunden bis zum Schiff brauchen, läuft weiter alles unter Fernsteuerung. Halte ich für... gewagt. Wenn was schiefgeht, braucht das ein paar Sekunden, bis die Verantwortlichen davon wissen. Und dann ein paar Sekunden, bis die Reaktionen darauf ankommen. Da wäre es eindeutig klüger gewesen, einfach jemanden mit hochzuschicken, der das manuell regeln kann.
Als die Landung in die kritische Phase geht, geht alles drunter und drüber. Ultrahohes Pfeifen und Schrillen traktierte die Ohren der Männer. Reginald Bull blickte für den Bruchteil einer Sekunde verständislos drein. Dann verzerrte sich sein breites Gesicht.
Rhodan reagierte blitzschnell. Wenigstens einer... Seine Rechte griff nach dem Katastrophenschalter. Zuschnappende Magnetbänder fesselten die Männer an ihre herumkippenden Sitze.

Moment mal! Die waren vorher nicht angeschnallt? o_O Kein... Kommentar dazu.
Wir erfahren, dass der erwartete Umlenkimpuls der irdischen Fernsteuer-Station nicht durchkam. Auch wenn die Maschine niemals individuell denken konnte, so hatte sie nach unerhört schnellen Rechenprozessen festgestellt, daß höchste Gefahr drohte. Was allein schon die Tatsache zeigen sollte, dass keine Anweisungen von der Erde mehr ankommen...
Red Bull teilt uns mit, dass es auf ihrer Frequenz Störungen gibt. Rhodan hält sich nicht mit Überlegungen auf, sondern tat das, was er als Kommandant in solchen Fällen zu tun hatte.
Es war eine schnelle Reflexbewegung, die ihn den in der Armstütze eingebauten Hauptschalter umschlagen ließ. Damit war die STARDUST aus der erdgebundenen Fernkontrolle heraus.
Der Computer, sorry, das Zentralgehirn übernimmt die Landung. Ich weiß nicht, wie realistisch das ist, dass sie keinen der Astronauten für den Notfall trainiert haben... vermutlich sehr unrealistisch, weil Technik nunmal auch versagen kann.
Jedenfalls kommen sie dem Boden näher. Rhodan verzichtete auf Befehle und Anweisungen. Sie wären sinnlos gewesen. Kein Mensch hätte hier noch etwas tun können, auch Rhodan nicht, der als „Sofortumschalter“ bekannt war.
Die erforderlichen Berechnungen und Schaltungen konnte nur noch die Automatik ausführen. Jedes menschliche Hirn hätte hier versagen müssen.
Auch hier gilt: Ich weiß nicht, wie realistisch das ist. Aber es ist trotzdem eine niedliche Naivität, die da mitschwingt. An dieser Stelle sollte ich vielleicht anfügen, dass ich halbwegs rausbekommen habe, wann das Buch spielt, nämlich in den 70ern. Ich finde es jedes Mal wirklich lustig, wie optimistisch die Menschen früher waren, was die Zukunft anging. Fliegende Autos, Raumfahrt... süß. XD Naja, immerhin steuern wir langsam mal den Mars an, es wird also. Auch wenn wir von fliegenden Autos zu selbstfahrenden Autos umgeschwenkt sind.
Jedenfalls: Sie kommen sicher runter und die Nerven liegen blank.
Perry Rhodan versetzte den Männern einen seelischen Nackenschlag. Selbstverständlich hatten sie nun eine Bemerkung über die erfolgreiche Notlandung erwartet, ganz selbstverständlich sogar! Jeder normale Mensch hätte so reagiert, und wenn es nur in Form eines kurzen Stoßseufzers gewesen wäre.
Rhodan reagierte anders.
„Flipp, du wirst sofort feststellen, wo der unbekannte Störsender steht. Die Unterlagen sind auf den Mangetbändern des Zentralgehirns. Ich möchte sehen, wie gut du als Mathematiker bist.“
Das war alles, mehr sagte er nicht.

Rhodan reagiert professionell, wo ist das Problem? Mit dem Abschnitt endet jedenfalls das Kapitel.

Fazit: Die Welt bekommt etwas mehr Struktur und wir erfahren endlich mehr über die Hauptcharaktere und ihre Eigenarten. Wie ich schon gesagt habe, einiges ist ziemlich an den Haaren herbeigezogen und unglaublich naiv, aber man kann es dem Buch kaum vorwerfen. Vielleicht gewöhne ich mich aber auch einfach nur daran.