whisper

Luina liest: Perry Rhodan, Einleitung und 1. Kapitel

Einige werdens wissen, ich habe letztes Wochenende eine Freundin in Berlin heimgesucht und wir waren auf einem Bücherflohmarkt. Im Grunde habe ich da keine großen Erwartungen reingesteckt, aber schon am ersten Stand begegnete mir... eine ganze Reihe an Perry Rhodan-Romanen. Ob es alle waren, weiß ich nicht, ich habe keinen blassen Schimmer, wie viele Bände es da inzwischen gibt.
Nur, dass es viele gibt. Sehr viele.
Großes Interesse hatte ich nie, aber aus reiner Neugierde habe ich mal den ersten Band in die Hand genommen. Es wurde zumindest in dem Fall interessanter, als ich folgenden Klappentext las:
Die Welt in der Zeit des Kalten Krieges: Die politischen Machtblöcke drohen ihre Meinungsverschiedenheiten in einem alles vernichtenden Atomkrieg auszutragen. So weit, so platt. Der Kampf um die Vorherrschaft wird in den Weltraum hinausgetragen, der Wettlauf um die Eroberung des Mondes beginnt. An Bord der STARDUST starten Major Perry Rhodan und drei weitere angehörige der US-Space-Force (diese Bezeichnung machte es schon spannender) zum Erdtrabanten. Schon vor der Landung auf dem Mond ereignen sich merkwürdige Dinge: Funkgespräche werden gestört, Flugmanöver verlaufen unplanmäßig und an Bord der STARDUST zeigen die Kontrollinstrumente unerklärliche Wertde an. Nach der Landung wird es zur Gewißheit: Auf Luna befinden sich Angehörige einer unvorstellbar mächtigen extraterrestrischen Zivilisation Hiermit kam die Erkenntnis, dass es Potential hat, aus unserer Perspektive extrem witzig zu werden Perry Rhodan nimmt Kontakt zu diesen Intelligenzen auf und findet heraus, daß es Besatzungsmitglieder eines havarierten Expeditionsschiffs der Arkoniden sind. Als erster Mensch wird er mit dem überlegenen Intellekt und dem für Menschcen kaum begreiflichen Wissensstand dieser Wesen konfrontiert. Wie Perry Rhodan mit dieser Situation fertig wird und die Macht der Fremden nutzt, um den Ausbruch des Dritten Weltkrieges zu verhindern, schildert dieses Buch. Und mir stellt sich die Frage, wieso ach-so-mächtige Aliens auch nur einen Pups darauf geben, ob die Menschen sich gegenseitig wegbomben oder nicht.
Mein Interesse war jedenfalls geweckt, noch mehr, als ich sah dass das Buch 1978 erschienen ist. NOCH besser wurde es beim Lesen der Einleitung. Die Urfassung erschien in drei Büchern 1961. Damit war klar: Das muss ich lesen. Unbedingt. Because of reasons. Weil das Buch nur zwei Euro gekostet hat.
Ich werde immer wieder zitieren und diese Zitate kommentieren (wer verreiß-mich kennt, ist mit dem Prinzip wohl vertraut *hüstel*, da ich aber nicht sicher bin, ob es für die Community geeignet ist, bleibts hier XD), auch weil das Vorwort bööööse Erwartungen weckt: […] trotz aller verbesserungswürdigen Passagen der Urfassung sollte dieses Buch den Originalen recht nahe kommen. Ja, es wird sicher witzig.
In den Zitaten selbst werde ich nichts ändern, nicht mal die Rechtschreibung. Sollte sich eigentlich von selbst verstehen, oder? Außerdem lese ich das Buch blind, habe also keine Ahnung, was mich erwartet.
Wer jetzt noch nicht abgeschreckt hat, darf gerne weiterlesen und mir in den Zukunftsroman folgen, der an seinen Zeitangaben gemessen, in der Vergangenheit spielt.

Es folgt ein Vorwort das hochtrabend davon faselt, wie unwissend und klein wir Menschen doch in kosmischen Maßstäben gesehen sind. Ich denke ja, wir sind auf einem guten Weg, einiges zu begreifen, aber wir sind dem Autor des Buchs ja ein paar Jahrzehnte voraus.
Also direkt weiter zum ersten Kapitel.



1.Kapitel: Automaten, Robots und Rechengehirne

Wir sind offenbar irgendwo in Nevada, wo ein Raumschiff starten soll. Letzte Checks werden gemacht und die Schaltungen innerhalb des Astro-Elektrogehirns, dessen Aufgabe in eventuellen Kurskorrekturen bestand überprüft. Heute nennt man das ja einen Computer. Aber... ich habe keine Ahnung, wann der Begriff sich wirklich etabliert hat. Streng genommen gibt’s die Dinger ja schon ziemlich lange, auch wenn heute jedes billige Smartphone mehr drauf hat als die Kisten damals... Wenn jemand weiß, wie es Anfang der 60er aussah: er darf sich gerne zu Wort melden. Generell, wenn jemand seinen Senf oder Fachwissen abgeben will: Gerne! Ich interessiere mich zwar sehr für so einen Kram, aber mein Wissen hält sich in Grenzen.
Uns werden weitere Computer vorgestellt, auch wenn die dort Automat „B“, Spezialrobot für Start, Stufentrennungs-Kontrolle und Fernlenkung und E-Gehirn „C“, Robot Koordinator für alle eingehenden Radarechos, gleichzeitig Kommandostation für die ferngelenkten Spezialkameras der Infra-Ortung genannt werden.
Das alles findet in einem schwer bewachten Bunker statt, in dem jetzt General L.Pounder (der sich offenbar keinen richtigen Vornamen leisten konnte, ich habe böööse Assoziationen...) aufkreuzt. Im Schlepptau hat er den wissenschaftlichen Leiter Oberst Maurice und anscheinend einen der Ex-Nazis, die sich die Amis nach dem zweiten Weltkrieg unter den Nagel gerissen hat. Jedenfalls heißt der Typ: Professor Dr. F. Lehmann, der der Direktor der seit 1968 bestehenden California Academy of Space Flight ist. Die NASA hat da offenbar nicht sehr lange durchgehalten. Schade, dass uns bisher unterschlagen wurde, wann die Handlung stattfinden soll, das würde mich interessieren.
Die drei Figuren beobachten, was da passiert, ohne dass sie jemand groß beachtet und Lehmann scheint mehr an seinem eigentlichen Job (wie auch immer der aussieht) interessiert zu sein, als an sinnlosen Inspektionen.
Dann erfahren wir, dass Pounder es für Wahnsinn hält, den Start von der Erde aus zu riskieren. Es folgt Infodump über den Luftwiderstand und wie schnell man genau werden muss, um es hinzukriegen. Von der Raumstation die offenbar schon gibt, wäre das ganze viel einfacher.
Lehmann klärt aber freundlicherweise darüber auf, das ein Zusammenbau eines Raumschiffs auf der Erde einfacher und billiger ist. Es folgen Drohungen darüber was passiert, wenn die Sache schiefgeht und Oberst Maurice mischt sich ein. Anscheinend ist er für die PR zuständig, was Pounder aber nicht zu würdigen weiß.
Aus dem Nichts ploppt der Astromediziner Dr. Fleeps auf. Meine Frage, was zur Hölle das bitte sein soll, wird direkt beantwortet: Der Typ ist verantwortlich für raummedizinische Fragen, desgleichen für den Gesundheitszustand der sogenannten „Risikopiloten“. Ein nicht ganz unwichtiges Fachgebiet, auch wenn ich nicht ganz verstehe, was die mit Risikopiloten meinen. Fleeps Auftauchen hat erstmal aber keine Auswirkungen auf den Plot, die PR wartet nicht gerne. Der General soll gefälligst persönlich bei der Pressekonferenz auftauchen, wieso auch immer. Ist ja nicht so, als hätte der gerade Besseres zu tun. Er setzt sich durch und lässt sich per Bildschirmsprechverbindung zuschalten, was den Reportern nicht passt.
Wir erfahren, dass der Start in drei Stunden sein soll und die Risikopiloten (also sind damit wohl einfach die vier Astronauten gemeint) noch im nervenschonenden Tiefschlaf sind und erst in einer Stunde geweckt werden. Ich würde ja annehmen, dass die Typen auch noch zu tun haben, aber gut... anscheinend lebt es sich dort als Astronaut entspannter als heutzutage. Außerdem werden wir informiert, dass bemannte Raumflüge anscheinend schon Routine sind und man offenbar schon versucht hat, in der Umlaufbahn Schiffe zusammenzuschustern, was nicht geklappt hat. Wie es aussieht, hat die California Academy of Space Flight mehr Kohle als die NASA.
Perry Rhodan wird vorgestellt. Er ist Astronaut und Kernphysiker, Nebengebiet atomare Strahltriebwerke. Er ist der Mann, der als erster Pilot der Space-Force den Mond umkreiste. Ohne Facebook und Twitter ist sowas anscheinend leicht geheimzuhalten, jedenfalls sind die Reporter ziemlich aufgeregt. Die anderen drei Astronauten sind Captain Reginald Bull, Captain Clark G. Flipper und Leutnant Dr. Eric Manoli. Alle wichtig genug für Vornamen. Die Truppe soll vier Wochen auf dem Mond bleiben. Was auch immer die da so lange wollen...
Uns werden technische Daten um die Ohren gehauen, die ich hier mal weitestgehend unterschlage. Die Rakete ist dreistufig von denen die zweite und dritte mit kernchemischen Atomstrahltriebwerken arbeiten. Wenn ihr mich fragt, klingt das nicht sehr gesund... Es folgt Gelaber über den Flüssigtreibstoff und die Leistung der ersten Stufe. Dann wird’s wieder ungesund. Das Triebwerk der zweiten Stufe arbeitet auf Plutonium-Basis. Als Strahlmedium, das erhitzt und durch die Düsen ausgestoßen wird, verwenden wir fast reinen, flüssigen Para-Wasserstoff. Immerhin... ich hatte schon Sorge, dass sie irgendwas Radioaktives rausblasen. Das einzige Problem, dass sie mit Wasserstoff offenbar haben ist der tiefe Schmelzpunkt. Ich halte es ja für problematischer, dass Wasserstoff verdammt gefährlich ist, aber okay. Es ist meines Wissens nach für sowas generell ein guter Treibstoff, auch wenn ich mich zu erinnern glaube, dass man es in heutigen Treibstoffen anders verwendet als... da.

Wir bekommen einen Perspektivenwechsel zu Dr. Fleeps, der die vier Piloten aufweckt, die seit 14 Stunden pennen. Und dann sollen sie innerhalb von zwei Stunden wach genug sein, um ins All geschossen zu werden. Meine Güte, die Medizin muss verdammt gut sein. Aber ein nervöser, unausgeschlafener, psychisch und physisch erschöpfter Pilot war ein wenig vorteilhafter Partner für seelenlose Rechenmaschinen und höchstbeanspruchte Triebwerke. Ich bin keine Expertin. Aber zu viel Schlaf ist auch nicht gut für die Konzentration. Und sollten die nicht alle schon mehrmals im All gewesen sein? Leute, ihr habt da keine Anfänger sitzen. o_O Klar ist ein Flug ins All kein Spaziergang, heute auch noch nicht. Aber jemand, der sich von der Aussicht darauf so fertigmachen lässt, dass er derart ruhiggestellt werden muss, ist in dem Job eindeutig falsch.
Jedenfalls kommen jetzt medizinische Tests und dann die Ausrüstung. Zehn Minuten vor dem Start dürfen die Astronauten endlich ins Schiff. Ist ja nicht so, als müssten die Männer sich nicht selbst davon überzeugen, dass alles vernünftig läuft...
Zuerst wird Rhodan geweckt, der mit dem Nachthemd, in das er offenbar erst gesteckt wurde, nachdem er schlafen gelegt wurde, nicht einverstanden ist. Flippers größte Sorge dagegen sind Frau und Sohn... ein Sohn, der offenbar erst in drei Monaten erwartet wird. Der Kerl scheint noch nicht ganz wach zu sein.
Als alle wach sind, üben sie sich in Smalltalk um sich vom Start abzulenken. Ungeschriebene Regel ist, nicht an den Start zu denken und schon gar nicht darüber zu reden. Erinnert mich etwas an das, was ich vor Klausuren immer gemacht habe. Aber das war Uni. Da hing nicht mein Leben davon ab, dass die Technik funktioniert. Mich würde es in dem Fall ja mehr beruhigen, die technischen Details nochmal durchzugehen um die Sache möglichst gut unter Kontrolle zu haben, aber jedem das Seine.
Rhodan hält seine Leute im Auge und hätte Flipper am liebsten daheim gelassen, weil der zu oft an das Baby denkt. Das geht aber nicht, weil ein neuer Pilot sich nicht so schnell ins Team eingefügt hätte. Ich will ja nichts sagen, aber so ein Baby manifestiert sich nicht auf magische Art und Weise plötzlich im Bauch der Mutter. Wenn die Dame im sechsten Monat ist, kann man im Idealfall wohl von 5 Monaten ausgehen, in dem die Schwangerschaft bekannt war. Normalerweise genug Zeit, wenn der Neue kein totaler Idiot oder Arsch ist. Flipper ist jedenfalls das einzige Problem und damit endet das erste Kapitel.

Bisheriges Fazit: Der Schreibstil könnte schlechter sein. Aber auch besser. Die erschaffene Welt ist bisher recht interessant, jedenfalls wenn man das Ersterscheinungsdatum berücksichtigt. Ich bin immer gegen zu viel Infodump, das ist aber Geschmackssache. Zu den Charakteren kann man bisher wenig sagen, ich hoffe, dass das noch besser wird. Zumindest gefällt es mir bisher besser als 50 Shades of Shit, aber das ist nicht schwer.
Wenn ich der Einschätzung von Frank Schätzing in seinem Buch Limit glauben kann, ist zumindest Perry Rhodan ein ziemlicher Gary-Stu. Die Gefahr besteht bei Hauptcharakteren immer, ich werde mich daher mal überraschen lassen.
Weiter geht’s demnächst mit dem nächsten Kapitel, bis dahin dürft ihr mir gerne eure Meinungen bisher mitteilen. XD
Uuuh... Perry Rhodan!
Mein Vater hatte die Comics zu Hause XD
Aber das ist uralt.
Zumindest zu den "Computern" kann ich sagen, dass wir erst mit einem [i]personal computer[/i] konfrontriert wurden, da war ich schon auf der Welt (also nach 1984).
Wenn die Geschichte also 1961 entstanden ist, ist das gut möglich, dass sich der Begriff 'Computer' noch nicht etabliert hatte. Perry Rhodan war quasi die Jugend von meinem Vater und damals gabs noch keine Computer ^^ (weil wir recht zeitnah an der seriellen Herstellung von Computer für den Privathaushalt einen hatten) - ach je, diese süßen Kindheitserinnerungen *.*
Ich kann ja mal meinen Papa über Perry Rhodan ausquetschen. Der war ja ein Fan davon (und später dann auch von Star Trek und eine Seltenheit auch von Star Wars). Aber mein Vater ist an Sci-Fi immer schon interessiert gewesen - und ich glaube, das Interesse habe ich von ihm XD

Deshalb finde ich es auch toll, dass du dich diesem alten literarischen Zukunftswerk widmest! Ich werde deine Reviews auf jeden Fall weiter verfolgen - rein aus persönlichem Interesse. XD
Ich habe mal Wikipedia befragt, der Begriff Computer fiel zumindest im englischsprachigen Raum schon in den 40ern, wo sich anscheinend ziemlich viel dahingehend getan hat. Nur dass es halt riesige Maschinen waren, die nicht viel drauf hatten. Aus heutigem Sinne. Im Deutschen wurden sie anscheinend einfach "Rechner" genannt.
PCs für jedermann waren in den 50ern/60ern eindeutig noch Zukunftsmusik, aber es gab Ende der 60er den hier: http://de.wikipedia.org/wiki/Hewlett-Packard_9100A

Es wäre sicher interessant, einen Blick ins Original zu werfen, wie das Technikzeug da genannt wurde. XD